Es war im April, als mein Schwiegervater Franz von der Firma Bosch nach Hause kam und eine Gesichtshälfte etwas entstellt aussah. Bei entsprechenden Untersuchungen wurde festgestellt, dass er bei der Arbeit einen leichten Schlaganfall hatte und eine Halsader verengt war. Um weiteren Durchblutungsstörungen vorzubeugen wurde im Krankenhaus in Ludwigsburg ein OP Termin vereinbart.
Zwei Wochen später, es war Sonntag, als Uschi und ich ihn im Krankenhaus in Ludwigsburg besuchten. Franz war damals 56 Jahre alt, er war wieder fit und er spielte sein Lieblingsspiel Binokel. Wie fast immer war er gut gelaunt und sehr zuversichtlich im Hinblick auf die für den nächsten Tag bevorstehende Operation.
Wie abgesprochen fuhr ich am folgenden Tag mit Uschi von Ditzingen aus und Schwiegermutter Anna von Wimsheim aus nach Ludwigsburg, um Franz zu besuchen. Von einer Krankenschwester vorgewarnt fanden wir Franz halbseitig gelähmt im Bett liegend. Es war ein schreckliches Bild. Nur mit Mühe konnten wir die Tränen zurückhalten. Anna war ganz aufgelöst. Noch schlimmer wurde es als nach uns die Brüder und Verwandten von Franz kamen und ihr Erschrecken und Mitleid nicht verbergen konnten. Es war so unendlich schlimm und traurig Franz so zu sehen.
Um Näheres über die Operation zu erfahren, versuchten wir einen Termin beim zuständigen Arzt zu erhalten. Dieser nahm sich nur ganz kurz Zeit und gab uns folgende Informationen:
„Der operative Eingriff hat ein paar Sekunden länger gedauert als geplant und die Sauerstoffzufuhr zum Bewegungsgehirn war zu lange unterbrochen. Die Folge ist die halbseitige Lähmung am Kopf links und die halbseitige Lähmung am Körper rechts und die Lebenserwartung beträgt leider nur noch ca. zehn bis zwölf Monate!“
Nach dieser Aussage verließ er das Besprechungszimmer und ich ging mit Uschi und Anna schockiert zurück ins Zimmer von Franz. Es dauerte nur ein paar Minuten, dann rief die zuständige Krankenschwester Uschi und mich zu sich und gab uns folgende Empfehlung:
„Sie müssen sich ganz schnell und intensiv um Franz kümmern! Sie müssen ihn dazu auffordern und motivieren, dass er versucht das lahme Beine und die lahme Hand zu bewegen. Und sie müssen gleich morgen beginnen und möglichst vormittags und nachmittags und möglichst täglich und mindestens die nächsten zwei Wochen. Das Krankenpersonal hat dafür keine Zeit. Tun sie es für ihren Vater. Wenn sie Glück haben wird die Lähmung besser!“.
Die nächsten drei Wochen übten Uschi und ich zweimal täglich mit Franz. Wir haben Hände und Füße mit Lourdes Wasser eingerieben und wir haben jeden Abend für Ihn gebetet.
Und es half. Es war wie bei einem kleinen Kind. Das Anheben der Hand und die ersten Bewegungen der Finger und die ersten Schritte. Täglich sahen wir Fortschritte. Es war ein Wunder.
Franz kam nach dem Krankenhausaufenthalt zur Reha und war nach ca. einem Jahr wieder ganz gesund. Er konnte wieder laufen und Karten spielen und er reiste noch mehrmals nach Lourdes.
Franz lebte noch 27 Jahre und wir hatten noch viele schöne gemeinsame Erlebnisse.
- Franz war zuversichtlich und er hat gekämpft
- Franz hat an das Lourdes Wasser geglaubt
Siegfried Haag, 30.11.2016
