Zuerst waren wir in Florida danach zweimal in Kanada im Urlaub und in diesem Jahr flogen wir nach Los Angeles. Patrick war 13 und Désirée 11 Jahre alt. Uschi hatte die Tour und die Hotels in bester Qualität sorgfältig ausgewählt. Mit einem großen geräumigen Mietwagen fuhren wir zum Lake und City Havasu und dann weiter zum Grand Canyon. Bei untergehender Sonne hatten wir unseren klimatisierten Buick abgestellt und liefen auf einem befestigten Waldweg eine kurze Strecke zum Abgrund des Grand Canyon. Der Canyon 1000m unter uns. Der gegenüberliegende Abgrund 13 km entfernt. Ein beeindruckendes Naturwunder.
Über Monument Valley und den Bryce Canyon fuhren wir mehrere Stunden durch die Wüste ins Spielparadies Las Vegas um im Legenderen Luxor zu nächtigen. An den Spieltischen und blinkenden Automaten vorbei – wir durften mit den Kindern nicht stehenbleiben- erreichten wir den Aufzug und kamen in unser Zimmer im 20. Stock. Es war ein faszinierender Ausblick über die hell erleuchtete Stadt.
Am 25.08.1999 verließen wir viel zu früh Las Vegas und fuhren in Richtung Nordwest auf dem High Way 95. Eine riesig breite zweispurige Straße führte uns kerzengerade an Indian Springs vorbei weiter zu unserem 300 km entfernten Ziel Mammoth Montain. Die etwas hügelige Straße war bis zum Horizont sichtbar. Im Abstand von ca. 3 km fuhren ein LKW und ein PKW vor mir. Der Abstand zu diesen Fahrzeugen blieb konstant. Wir hatten alle den Tempomat aktiviert. Draußen war es glühend heiß. Uschi hatte die Schuhe ausgezogen und die Kinder machten es sich auf den Rücksitzen bequem. So tuckerten wir gelangweilt dahin.
Fahr doch schneller empfahl mir Uschi.
5 Minuten später. Fahr doch endlich schneller.
Nach weiteren 5 Minuten. Jetzt fahr aber endlich schneller, wie kann man nur so langsam fahren.
Ohne zu diskutieren fuhr ich rechts über den gestreiften und recht holprigen Seitenstreifen und stieg aus. Sofort rutschte Uschi auf die Fahrerseite und ich nahm den Beifahrersitz ein.
Anstelle der vorgeschriebenen 60 Meilen fuhr sie mit ca. 80 Sachen. Auch ein Schild „slow“ veranlasste sie nicht die Geschwindigkeit zu reduzieren. Es war ja auch kein Mensch weit und breit zu sehen. Ach ja, ein paar Meter neben der High Way stand ganz einsam ein Zelt. Kaum hatten wir die slow-Stelle passiert, hörte ich auch schon das tatü- tata des amerikanischen Polizeiautos, das plötzlich hinter uns fuhr und uns immer näher kam. Ich bat Uschi die Geschwindigkeit zu reduzieren. „NEIN“ sagte sie. „das ist ein Überfall, das habe ich im Reiseführer gelesen“. Sie gab jetzt richtig Vollgas und raste was der Wagen hergab. Es nützte nichts. Die Polizei war schneller, überholte uns, fuhr vor uns so dass Uschi scharf bremsen musste. Mir war glühend heiß und ich hatte mächtig Angst. Die Kinder auf dem Rücksitz waren ganz muchs – mäuschen still. Zwei Polizisten mit vorgehaltener Pistole sprangen vor unser Auto und machten Handzeichen, dass Uschi aussteigen solle, was sie auch sofort befolgte. Gleich bei der ersten Frage fing Uschi an zu hüpfen, denn sie war noch barfüßig und der Straßenbelag war glühend heiß. Also durfte sie wieder einsteigen und ich musste die Fragen beantworten.
Wo kommen sie her, wo fahren sie hin- und sie waren viel zu schnell.
Dann kam die entscheidende Frage „die Strafe beträgt 1000 $ oder ihre Frau muss drei Tage ins Gefängnis“.
Ich überlegte- wenn sie … dann kann ich nochmals drei Tage nach Las Vegas.
Bevor ich meine Entscheidung getroffen hatte, schaute der andere Polizist auf die Rückbank, sah die lieben Kinder und machte mir mit kräftiger Stimme folgenden Vorschlag: Sie verlassen auf direktem Weg innerhalb zwei Stunde Nevada und SIE fahren und sie fahren nicht schneller als 60 Meilen in der Stunde.
Ich nahm den Vorschlag dankend an.
Ich beachtete die Geschwindigkeitsbegrenzung und wir fuhren nach 80 Minuten über die Grenze von Nevada nach Kalifornien.
- Unsere lieben Kinder haben uns vor Strafe bewahrt.
- Anweisungen meiner Frau führen nicht immer schneller zum Ziel.
S. Haag 01.12.2016
